Counter Balance
Residenzprogramm
Mit Counter Balance bietet die Tanztriennale Residenzen in den Bereichen "Research" und "Short Creation" für Tandems unterschiedlicher künstlerischer Richtungen.
Ziel ist es, jenseits der gewohnten Produktionsweisen und Bubbles Raum für künstlerisches Experimentieren zu schaffen. Durch die Zusammenarbeit über stilistische und kulturelle Grenzen hinweg sollen konventionelle Tanzkanons hinterfragt und herausgefordert, die Rolle des Tanzes in einem größeren gesellschaftlichen Kontext neu beleuchtet und weitergedacht werden.
Die Ausschreibung der Residenzen stieß auf großes Interesse: Es wurden über 600 Bewerbungen aus 60 verschiedenen Ländern eingereicht. Die Jury - Pedro Barreiro (Künstlerischer Leiter, O Espaço do Tempo, Montemor-O-Novo), Iván Pérez (Künstlerischer Leiter, Dance Theatre Heidelberg), Monique Smith-McDowell (Choreographin, Performerin und Audiodeskriptorin, Hamburg), Monica Gillette und Gwen Hsin-Yi Chang (Künstlerische Co-Leiterinnen, Tanztriennale) - hat vier Tandems ausgewählt.
Die mehrwöchigen Residenzen finden zwischen März und Juni 2026 in Zusammenarbeit mit HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste (Dresden), Hessisches Staatsballett (Darmstadt/Wiesbaden), LOFFT - DAS THEATER (Leipzig), Perform(D)ance (Stralsund), Studio Pro Arte - Tanzhaus und Kulturzentrum (Freiburg) und tanzhaus nrw (Düsseldorf) in ganz Deutschland statt.
Die beiden im Bereich Short Creations entstehenden Arbeiten werden im Juni 2026 im Rahmen der Tanztriennale als je 30-minütige Choreographien in der Opera Stabile in Hamburg gezeigt. Die Ergebnisse der beiden Research-Residenzen werden ebenfalls während der Tanztriennale präsentiert.
Fabienne „Foxy“ Klüver & Sizwe „Sizwe031“ Mzimela
Research
Sizwe Sihle „Sizwe031“ Mzimela ist DJ und Kulturschaffender aus Durban, Südafrika. Seine Arbeit wurzelt in der tiefen Verbindung zwischen Musik, Tanz und dem Leben in der Gemeinschaft. Fabienne „Foxy“ Klüver, geboren in Hamburg, ist Tänzerin und Amapiano-DJ. Ihre Praxis ist von einer westlichen Ausbildung und den dazugehörigen institutionellen Strukturen geprägt. Ihre Counter-Balance-Residenz beschäftigte sich damit, wie gelebtes Erbe auf verwestlichte Kontexte trifft, wie Insider-Erfahrung auf Outsider-Verantwortung stößt. Gemeinsam gründeten Sizwe und Foxy „Junkpark“, ein Amapiano-Event und eine Community in Deutschland. Ihre Residenz widmete sich nicht nur der Freude und Lebendigkeit von Amapiano, sondern auch den Spannungen, die in der Übersetzung entstehen. Es ging um Fragen der Authentizität, des kulturellen Besitzes und der Politik der Repräsentation.
Das Ergebnis präsentierten Sizwe Sihle „Sizwe031“ Mzimela und Fabienne "Foxy" Klüver im Rahmen des Workshops "Amapiano und südafrikanische Kultur" beim Forum "Collective Imapct".
Aoife McAtamney & Lucy O’Donnell
Research
Diese Residenz brachte die irische Choreografin und Musikerin Aoife McAtamney und die leitende Bibliothekarin der Lexicon Library Dublin, Lucy O’Donnell, zusammen. Beide erforschten Gesang, Tanz und Choreographie in Beziehung zu Literatur, zu Bibliotheken und deren Leserschaft. Beide erweiterten damit ihr interdisziplinäres Forschungs- und Performance-Projekt „Authors“ um eine neue Umgebung außerhalb Irlands. Die Counter-Balance-Residenz ermöglichte es ihnen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im sozialen und menschlichen Gefüge von Tanz, Literatur und den Menschen, die diese Felder prägen, zu entdecken. Sie entwickelten schließlich einen kreativen Vorschlag zur deutsches Ausgabe von „Authors".
Die Präsentation war in der Hamburger Bücherhalle zu sehen.
Joseph Simon & Reiko Ohta
Short Creation
Reiko Ohta absolvierte eine klassische Ballettausbildung in Japan. Joseph Simon ist B-Boy, seine Wurzeln liegen in der HipHop-Kultur. Beide verbindet das gemeinsame Interesse und die Vision, einen unkonventionellen Ansatz für das Ballett zu entwickeln: Auf experimentelle Weise wollten sie Elemente aus HipHop, House Dance und Ballett dekonstruieren, um die für diese Styles typischen sozialen Verhaltensweisen, Haltungen und Ästhetiken herauszufordern und spielerisch zu hinterfragen. Herauskam die 30-minütige Short Creation "Routines".
Geleitet von dem gemeinsamen Wunsch, das Ballett aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu erkunden, träumen Reiko und Joseph von einem Spielplatz, auf dem Ballett als Underground-Tanzsubkultur praktiziert wird. Ausgehend von Breaking, Hip-Hop, House und britischem Jazz-Tanz verzerrt und verwischt das Stück spielerisch die Grenzen des Ballettvokabulars – mit Freiheit und Groove. In einer von ihnen als nächtliche Studio-Session imaginierten Situation üben sie ihre eigene Version eines alternativen, demokratischen Balletts, indem sie die Schnittstellen verschiedener Tanzpraktiken erkunden. Diese Session soll die unzähligen Orte auf der ganzen Welt feiern, an denen sich Tanzgemeinschaften versammeln, schwitzen, träumen und gemeinsam tanzen - vereint durch ihre unerschütterliche Leidenschaft für den Tanz.
Lau Sin Yi & Germain Zambi
Short Creation
Lau Sin-Yi und Germain Zambi brachten in ihrer Counter-Balance-Residenz Krump, Waacking und Flamenco zusammen. Die Tanzpraktiken sind jeweils aus Gemeinschaften entstanden, die Widerstand in Kunst verwandelt haben. Durch die Verbindung ihrer unterschiedlichen tänzerischen Hintergründe wollen Lau Sin Yi und germain einen Raum schaffen, in dem ihre gemeinsamen Werte - Widerstand, emotionale Authentizität und erzählerischer Ausdruck - durch eine neue verkörperte Sprache erforscht werden können. Dieses Tandem war nicht nur ein Akt künstlerischer Neugier, sondern auch einer der Solidarität. Es entstand die 30-minütige Short Creation "IN - Tension".
„IN - Tension“ vereint drei kulturell unterschiedliche Tanzpraktiken - „Krump“, „Flamenco“ und „Waacking“ -, die jeweils aus Gemeinschaften hervorgegangen sind, die Widrigkeiten in Kunst verwandelt haben. Durch die Verbindung unserer unterschiedlichen tänzerischen Hintergründe möchten wir einen Raum schaffen, in dem unsere gemeinsamen Werte – Widerstand, emotionale Authentizität und das Erzählen von Geschichten – durch eine neue, körperlich verkörperte Sprache erforscht werden können. „Wie können verschiedene Tanzformen unterschiedliche Wege der Emotionsverarbeitung widerspiegeln?“ „Wie wird kulturelles Gedächtnis in Bewegung gespeichert – und wie kann es über Unterschiede hinweg geteilt werden?“
„Der Auswahlprozess war für uns sehr inspirierend, aber auch eine unglaublich schwierige Aufgabe. Es galt, aus über 600 Bewerbungen nur vier Tandems auszuwählen. Es gab zahlreiche gute und innovative Vorschläge, sowohl von aufstrebenden als auch von etablierten Künstler:innen. Allein die hohe Zahl der Bewerber:innen zeigt, wie groß der Bedarf an mehr Forschungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Tanzschaffende ist. Wir gratulieren den vier Tandems zu ihren künstlerischen Visionen und zu ihren Ansätzen, mit verschiedenen Tanzhintergründen und Communities in Dialog zu treten. Unsere Auswahl repräsentiert vier starke künstlerische Stimmen, die jede für sich ein hohes Maß an innovativer Experimentierfreudigkeit und eine außergewöhnlich hohe Qualität in ihren Arbeiten beweisen. Wir freuen uns darauf, die Ergebnisse der vier Residenzen und die Entwicklung ihrer Visionen während der Tanztrienale-Woche im Juni mitzuerleben!“
Die Jury




